Inkasso in Großbritannien

Großbritannien gilt als eines der führenden Handels- und Finanzzentren Westeuropas. Deutschland ist vor China und den USA wichtigstes Importland. Trotz dieser Stellung werden auch deutsche Unternehmen häufig mit einem schleppenden Zahlungsverhalten Ihrer britischen Kunden konfrontiert. Was können Sie tun, wenn Ihr Kunde nicht zahlt?

Auf dieser Seite finden Sie Informationen zu folgenden Themen:

1. Mahnung versenden
2. Forderung übertragen
3. Ablauf des Inkassos in Großbritannien
4. Außergerichtliches Inkasso
5. Gerichtliches Inkasso

Punkt 1: Europäisches Mahnverfahren
Punkt 2: Gerichtsverfahren
Punkt 3: Prozessieren und Vollstrecken

6. Inkassokosten
7. Pfändung
8. Insolvenzanfrage
9. Vollstreckung

1. MAHNUNG VERSENDEN

71 % vor allem der mittleren und kleineren Betriebe in Großbritannien weisen eine schlechte Zahlungsmoral auf. In 2010 blieben £ 62 Billionen direkt nach Fälligkeit unbezahlt. Aus diesem Grund raten wir, sollte Ihr britischer Kunde nicht innerhalb der vereinbarten Zahlungsfrist bezahlen, sofort eine Mahnung zu versenden. Folgende Punkte sollte die Mahnung enthalten:

Eine Forderungsaufstellung sowie die Ankündigung, dass Sie Ihre Forderung nach Fristablauf ohne Zahlungseingang an einen Rechtsanwalt übertragen und die dadurch entstehenden zusätzlichen Kosten vom Schuldner zu bezahlen sind. Sie sollten keinesfalls untätig bleiben!

2. FORDERUNG ÜBERTRAGEN

Übertragen Sie Ihre offene Forderung an Bierens Incasso Advocaten, sobald Ihr Kunde auf Ihre Mahnung nicht reagiert. Bierens ist eine international tätige Rechtsanwaltskanzlei, welche auf das nationale und internationale Inkasso von Forderungen spezialisiert ist. Unsere britische Abteilung kann Ihre Forderungen in Großbritannien schnell und effizient durchsetzen.

Unsere britischen „native speakers“ beherrschen die Sprache Ihres Schuldners perfekt und kennen sich bestens mit dem Recht, den Regeln und der Kultur aus.

3. ABLAUF DES INKASSOS IN GROSSBRITANNIEN

Es besteht ein großer Unterschied zwischen dem britischen und deutschen Rechtssystem. Das britische Rechtssystem schreibt eine neutrale Vorgehensweise vor – jeder ist vor dem Recht gleich. Deswegen ist in Großbritannien eine besondere Vorgehensweise angezeigt.

4. AUSSERGERICHTLICHES INKASSO

Bierens Incasso Advocaten mahnt den Schuldner nach Übertragung Ihrer Forderung schriftlich und telefonisch. Sofern der Schuldner nicht binnen Zahlungsfrist die offene Forderung ausgleicht, wird – in Abstimmung mit Ihnen – die weitere Vorgehensweise festgelegt.

5. GERICHTLICHES INKASSO

Um Vollstreckungsmaßnahmen in Großbritannien gegen einen Schuldner einleiten zu können, bedarf es eines Titels. Ein solcher kann mittels eines Europäischen Mahnbefehls oder über ein Zivilgerichtsverfahren erlangt werden.

Punkt 1: Europäisches Mahnverfahren

Wenn die Forderung unbestritten ist, besteht die Möglichkeit, über einen Europäischen Mahnbefehl vorzugehen. Dieses Verfahren zeichnet sich durch Schnelligkeit, Einfachheit und eine im Allgemeinen kostendeckende Prozesskostenverurteilung aus, und Sie erhalten damit einen vollstreckbaren Titel (Zahlungsbefehl).

Punkt 2: Gerichtsverfahren

Wurde Ihre Forderung außergerichtlich bestritten oder legt der Schuldner im Europäischen Mahnverfahren Widerspruch ein, ist ein Gerichtsverfahren angezeigt. Dazu muss die Forderung begründet und mit Beweisen unterbaut werden.

Punkt 3: Prozessieren und Vollstrecken in Großbritannien

In Großbritannien und dort speziell in England und Wales gibt es folgende Optionen, Ihre Forderung gerichtlich geltend zu machen:

„Small claims track“ für Forderungen bis £ 5.000,00. Sofern die Gegenseite keinen Widerspruch führt, wird innerhalb von vier Wochen ein Urteil gesprochen. Für den Fall, dass die Gegenseite Ihre Forderung bestreitet, dauert das Verfahren länger. Sie können lediglich einen begrenzten Teil der Verfahrenskosten auf Ihren Schuldner abwälzen, sodass diese Verfahrensweise für kleinere Forderungen nicht empfehlenswert erscheint.

Das gewöhnliche Gerichtsverfahren (die sogenannten „fast track“- und „multi track“-Verfahren) gilt für Forderungen über £ 5.000,00. In diesen Verfahren kann relativ schnell ein Urteil gesprochen werden, wenn kein Widerspruch vorliegt. Sollte Widerspruch eingelegt werden, muss ausführlich schriftlich und mündlich verhandelt werden.  

6. INKASSOKOSTEN

Die Gesetzgebung in Großbritannien bietet die Möglichkeit, Inkassokosten anteilig vom Schuldner einzufordern.

7. PFÄNDUNG

Innerhalb Großbritanniens (namentlich England und Wales) besteht die Möglichkeit, bei Gericht die Zustimmung für eine Vorpfändung („freezing injunction“) zu beantragen, die zu einem vorläufigen Zahlungsverbot für den Schuldner führt und daher auch gravierende Bedeutung hat. In der Praxis ist die Durchsetzung einer Vorpfändung jedoch deutlich komplizierter. Eine entsprechende Pfändungsverfügung wird als sehr drastische Maßnahme angesehen und wird nur ausgesprochen, wenn eine Reihe strenger Bedingungen erfüllt sind. Die wichtigste Bedingungen ist, das eine tatsächlich realistische Gefahr bestehen muss, dass die Gegenseite absichtlich die Aktiva beiseite schafft, um ein eventuelles Urteil zu hintertreiben. Sofern sich später herausstellen sollte, dass die Vorpfändung unrechtmäßig ausgesprochen wurde, müssen die Gläubiger Schadensersatz an die Gegenseite bezahlen. Wegen dieser Voraussetzungen und auch der Folgen wird in der Praxis selten von einer Vorpfändung Gebrauch gemacht.

8. INSOLVENZANFRAGE

Sofern Ihre Forderung unbestritten ist, können Sie durch das Gericht eine Mahnung („statutory demand“) an den Schuldner zustellen lassen, worin dieser zur Zahlung der offenen Forderung aufgefordert wird. Bleibt der Schuldner in Verzug und wird die Forderung nicht innerhalb von 21 Tagen beglichen, wird die Insolvenz des Schuldners unterstellt. Somit entsteht die Möglichkeit, Insolvenzantrag gegen den Schuldner zu stellen.

Alternativ dazu kann die Forderung auch erst gerichtlich tituliert werden. Der Insolvenzantrag gegen den Schuldner stelltdann ein gebräuchliches Mittel dar, die Vollstreckung gegen den Schuldner voranzutreiben. Der Richter ist in den meisten Fällen erst dann bereit, den Schuldner für insolvent zu erklären, wenn andere Vollstreckungsmaßnahmen ohne Erfolg geblieben sind. Die Insolvenzanfrage ist in der Regel das zuletzt zur Verfügung stehende Druckmittel. Dieses Verfahren ist relativ teuer und zeitintensiv.

9. VOLLSTRECKUNG

Innerhalb Großbritanniens wird die Vollstreckung eines ausländischen Urteils oder eines entsprechenden Titels über das Gericht ausgeführt und wird durch einen Gerichtsvollzieher oder eine Person in gleichwertiger Funktion vollstreckt. Das Vollstreckungsverfahren kann lange dauern und hohe Kosten mit sich bringen.

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